Gruppenfoto von fünf Männern auf einem Sand-Tennisplatz mit Pokalen, sonniges Wetter, Siegerehrung

Justin Schlageter gewinnt die 15. Würzburger Herren-Tennismeisterschaften

26. September 2026

Drei Tage hochklassiges Tennis, einige Überraschungen und ein Turniersieger, der derzeit noch zwischen zwei Tenniswelten unterwegs ist: Die 15. Würzburger Herren-Tennismeisterschaften beim TC Weiss-Blau Würzburg boten den Zuschauern auf der Anlage auch in diesem Jahr attraktiven Tennissport. Am Ende setzte sich mit Justin Schlageter vom TC Wolfsberg Pforzheim die Nummer eins der Setzliste durch. Das Turnier fand vom 4. bis 6. September statt.

Dass Schlageter am Sonntag den Siegerpokal in den Händen halten würde, war trotz seiner Favoritenrolle keineswegs selbstverständlich. Der 25-Jährige hat zwei schwierige Jahre hinter sich, in denen ihn Verletzungen immer wieder ausgebremst haben. Eigentlich zieht es ihn auf die internationale ITF-Tour. Bislang pendelt der ehemalige Top-50 Junior (weltweit) jedoch zwischen internationalen Turnieren und den deutschen Ranglistenturnieren. Derzeit findet er sich auf Position 43 der Deutschen Rangliste wieder.

Mit ehemaliger Top-Turnerin im Gepäck endlich zurück auf die Profi-Tennistour?

Im Gespräch nach dem Finale erzählte Schlageter, dass er derzeit überlegt, im kommenden Jahr noch einmal voll anzugreifen. Wer den Sprung auf die Profitour schaffen wolle, müsse zehn oder elf Monate am Stück nahezu alles dem Tennis unterordnen – und dabei gerade zu Beginn auch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Auf den unteren Ebenen der internationalen Tour stehen den Kosten für Reisen, Unterkünfte und Turniere zunächst vergleichsweise geringe Einnahmen gegenüber. Für Schlageter stellt sich deshalb die Frage, ob er noch einmal „all in“ geht und dem Traum vom Profitennis alles unterordnet.

Wie konsequent er versucht, die Kosten seiner Tennisreisen niedrig zu halten, zeigte sich auch in Würzburg. Gemeinsam mit seiner Freundin war Schlageter im Camper angereist, mit dem er auch sonst von Turnier zu Turnier reist und sich so unter anderem die Hotelkosten spart.

Und seine Begleitung kennt die Welt des Spitzensports selbst bestens: Ragan Smith blickt auf eine beeindruckende Karriere als US-amerikanische Spitzenturnerin zurück. Sie wurde 2017 US-Meisterin im Mehrkampf und gehörte 2016 als Ersatzturnerin zum amerikanischen Olympiateam. Später setzte sie ihre Karriere im College-Turnen an der University of Oklahoma fort und gewann mit den Sooners 2022 und 2023 die NCAA-Teammeisterschaft. In Würzburg war sie nun an Schlageters Seite – als Unterstützung und als jemand, der aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, im Leistungssport immer wieder an die eigenen Grenzen zu gehen.

Tennisspieler auf Sandplatz beim Schlag, Sponsorenbande QOOL und va-Q-tec im Hintergrund

                   Immer wieder druckvoll von der Grundlinie: Turniersieger Justin Schlageter

Topgesetzter trotzt talentierter Jugend

Sportlich ließ Schlageter an diesem Wochenende wenig Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen. Nach einem Freilos gewann er zunächst gegen Sergej Topic mit 6:0, 7:5 und anschließend gegen Leon Hoppstädter mit 6:4, 6:3. Im Viertelfinale wartete mit dem an Position sechs gesetzten Lucas Ariel Herrera Sánchez eines der größten deutschen Nachwuchstalente. Der 14-Jährige gehört dem Nachwuchskader 1 des Deutschen Tennis Bundes an, wurde 2025 Deutscher Jugend-Hallenmeister der U14 und gewann im selben Jahr die U14-Europameisterschaft im Doppel.

Für Herrera Sánchez war es bereits der zweite Auftritt in diesem Jahr auf der Anlage des TC Weiss-Blau, nachdem er zuvor schon mit seinem Regionalligateam aus Leipzig in Würzburg zu Gast gewesen war. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt seine außergewöhnliche Spielweise: Herrera Sánchez spielt auf beiden Seiten mit der Vorhand. Schlageter ließ sich davon allerdings nicht aus dem Rhythmus bringen und zog mit einem 6:4, 6:4 ins Halbfinale ein.

Dort traf Schlageter auf den erst 18-jährigen Paul Röder, der sich mit seinem druckvollen Grundlinienspiel im Laufe des Wochenendes in die Herzen des Würzburger Publikums spielte und auf der Anlage einige neue Fans gewann. Auch gegen den späteren Turniersieger hielt Röder gut dagegen, musste sich am Ende aber mit 4:6, 5:7 geschlagen geben.

Deutlich emotionaler verlief das zweite Halbfinale zwischen der Nummer drei der Setzliste, Can Franke, und der Nummer zwei, Stephan Iserath. In einem engen Match über drei Sätze kochten die Emotionen vor allem auf Seiten Iseraths immer wieder hoch. Seine lautstarken Reaktionen nach zahlreichen Ballwechseln waren zeitweise auf der gesamten Anlage zu hören und sorgten auch beim Publikum für Gesprächsstoff. Franke ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und setzte sich schließlich mit 7:6, 6:7, 10:6 durch.

Im Finale war für Franke allerdings kein Kraut mehr gewachsen. Schlageter dominierte die Partie nach Belieben und sicherte sich mit einem deutlichen 6:2, 6:0 den Titel der 15. Würzburger Herren-Tennismeisterschaften.

Tennisspieler beim Aufschlag auf Sandplatz, sonniger Tag, Tennisplatz mit Werbebannern

                   Gab nicht nur beim Aufschlag eine tolle Figur ab: Weiss-Blau-Spieler Julius Sommer

Julius Sommer hält die weiß-blauen Farben hoch

Auch sportlich hatte der TC Weiss-Blau an diesem Wochenende Grund zur Freude. Allen voran Julius Sommer spielte ein hervorragendes Turnier. Auf seinem Weg ins Viertelfinale gewann der Mannschaftsführer unseres Bayernligateams drei Partien glatt in zwei Sätzen. Besonders bemerkenswert: Mit Samuel Kapko (#7) und Sven Bangert (#12) schaltete Sommer zwei gesetzte Spieler aus. Erst im Viertelfinale war gegen den späteren Finalisten Franke Endstation.

Mike Steib und Julius Gold sorgten aus Sicht von Weiss-Blau ebenfalls für gute Auftritte. Steib musste sich dem an diesem Wochenende stark aufspielenden Paul Röder geschlagen geben. Gold sorgte derweil für eine kleine Überraschung und bezwang den an Position fünf gesetzten Kerim Akkocaoglu in einem umkämpften Match mit 6:3, 3:6, 10:4. Im Achtelfinale war jedoch gegen Michael Mirtchev beim 3:6, 4:6 Schluss. Auch Lukas Schneider hatte eine Überraschung auf dem Schläger, konnte seinen Vorsprung gegen den Neuntgesetzten Finn Wolf aber leider nicht ins Ziel retten und verlor sein Zweitrundenspiel am Ende mit 6:2, 4:6, 7:10. Ebenso erging es Benno Erb, der gegen den Zwölftgesetzten Bangert den ersten Satz gewann und im Match-Tiebreak den Kürzeren zog.

Am Ende stand ein gelungenes Turnierwochenende mit spannenden Begegnungen, starken Leistungen der eigenen Spieler und einigen neuen Publikumslieblingen, die wir gerne auch im kommenden Jahr wieder auf unserer Anlage begrüßen würden.